Die ‘Geschicklichkeitsformel’

Wann wird das leidige Thema endlich ein Ende haben und man sich darüber einigen können, ob es sich beim Pokern nun um ein Glücksspiel handelt oder nicht? Nun. Darüber ist sich die Pokergemeinde schon lange im Klaren. Natürlich spielt auch das Glück eine gewisse Rolle. Doch sind Strategie und Geschicklichkeit als sehr viel wichtiger einzustufen.

Fortgeschrittene Spieler wissen, dass auf längere Sicht hin gesehen nur die Erfahrung bzw. das Geschick zählt, um dauerhaft Gewinne zu erzielen. Natürlich kann auch ein Profi eine längere Durststrecke haben und immer mit den besseren Händen verlieren. Und natürlich wird ein Anfänger darin bestärkt, mit einem schwachen Draw jeden Einsatz zu bezahlen, wenn er auf diesem Weg mal einen oder gar zwei große Pötte gewonnen hat. Doch auf Dauer wird dieser Spieler verlieren und der gute Spieler kann sich wieder hocharbeiten – das ist bewiesen. Was der Pokergemeinschaft jedoch klar ist, scheint den Gegnern des Spiels noch immer nicht ganz schlüssig zu sein. Diese Personen haben wahrscheinlich auch noch nie an einem Pokertisch gesessen und sich mit den Regeln des Spiels vertraut gemacht. Irgendwie erinnert das stark an die Politiker, die da sagen, uns geht es gar nicht so schlecht, der Durchschnittslohn liegt bei 2.000 Euro netto und nichts ist teurer geworden. Diesen Menschen fehlt einfach der Zugang zur Realität. Sie sitzen in ihren Wohnungen in den besseren Bezirken, fahren mit einem schönen Auto zur Arbeit, essen und reisen auf Staatskosten und verdienen gutes Geld – von der Rente ganz zu schweigen. Es fehlt einfach das Wissen um die Basics.

Nun hat sich sogar ein holländischer Mathematik-Professor daran gemacht, eine Formel zu entwickeln, die Poker als Geschicklichkeitsspiel deklariert. Ben van der Genugten war es leid, dass die holländische Regierung bereits seit 1998 Poker als Glücksspiel einstuft und somit nur in staatlichen Spielcasinos gespielt werden darf. In Zusammenarbeit mit einem befreundeten Mathematik- und Spieletheorieprofessor ging es darum, die Geschicklichkeitselemente verschiedener Spiele festzustellen. Hierzu kam es dann zu einem einfachen aber sehr interessanten Ergebnis:

Geschick = Lerneffekt / (Lerneffekt + Chanceneffekt)

Hierbei wurde der Lerneffekt als Größe definiert, die den Unterschied zwischen einem optimalen Spieler und einem Anfänger ausmacht. Somit hat also ein Spiel, das nur vom Glück abhängt, eine Geschicklichkeitsrate von null. Umso mehr Geschicklichkeit ein Spiel erfordert, umso höher steigt dieser Wert logischerweise an. Beim Poker kamen die Wissenschaftler auf einen Wert von etwa 0,3. Wenn man bedenkt, dass nach derselben Formel Schach lediglich einen Wert von 0,4 erzielt, sagt das doch sehr viel über den angeblichen ‚Glücksfaktor’ beim Pokern aus.

Nun hoffen wir doch nur noch darauf, dass endlich auch mal die Verantwortlichen dem Glauben schenken, was die Pokercommunity schon seit langer Zeit predigt: Poker ist eben doch kein reines Glücksspiel. Im Hinblick darauf, dass zwei versierte Wissenschaftler diese Theorie nun gar mit einer Formel bestätigt haben, können wir weiterhin auf ein gutes Ende der endlosen Diskussionen hoffen.

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