Es war nicht zu übersehen bzw. zu überlesen: Full Tilt Poker wurde die Lizenz entzogen und viele sehen den Untergang von Full Tilt als unausweichlich. Man sollte jedoch einen kühlen Kopf bewahren und nicht vorschnell irgendwelche Schlüsse ziehen. Sicherlich sieht es nicht gut aus im Moment und wenn ich als Spieler Geld im Konto hätte, würde ich versuchen auszuzahlen oder das Geld schon abschreiben.

Dennoch muss man sich einmal vor Augen halten, dass Full Tilt sogar nach dem Black Friday auf Position 2 der größten Pokerseiten geblieben ist. Der Verlust amerikanischer Spieler war natürlich ein herber Schlag, aber noch lange kein K.O. wie etwa bei Cereus. Im Moment scheitert es “nur” an 60 Millionen Euro, die für Spielerauszahlungen aufgebracht werden müssen und einer Lizenz. Letzteres kann über kurz oder lange nicht das große Problem bleiben, immerhin ist es inzwischen kein großes Thema eine neue zu beantragen und Full Tilt scheint genau das mit Kahnawakee machen zu wollen.

Dann wäre zumindest das eine Problem gelöst und für das andere Problem, die mindestens 60 Millionen Euro, die derzeit fehlen um Spieler auszahlen zu können, wird ebenfalls an einer Lösung gearbeitet und das Szenario eines Verkaufs der Software, Datenbanken und anderen Assets ist durchaus eine Option. Gespräche mit Jack Binion in denen sich Full Tilt im Moment befindet scheinen in diese Richtung zu gehen. Und wenn man sich vor Augen hält wieviel Rake trotz des Black Fridays noch produziert wurde, sind 60, 100 oder 250 Millionen relativ schnell wieder eingespielt. Nach PokerStars ist Full Tilt Poker vermutlich die Pokerseite mit der größten Marge.

Meine Vermutung ist, dass das Schiff nicht untergehen wird und wir in den nächsten Wochen eine Lösung sehen werden. Diese ist sicherlich nicht für alle Beteiligten zufriedenstellend, aber wenn sich das Full Tilt Management nicht zu ungeschickt anstellt (was natürlich auch denkbar ist), dann wird es irgendwie weitergehen, auch wenn mit einer anderen Marke gearbeitet werden muss, was ebenfalls nicht auszuschließen ist.

Niemand kommt heute noch auf die Idee ein komplett eigenständiges Poker-Netzwerk auf die Beine zu stellen, außer man ist wie im Falle Win2Day eingeschränkt. Möglichkeiten gibt es mittlerweile schon genug. Diese sind kostengünstiger und erfolgsversprechender (siehe Artikel: Eigener Pokerraum?).

Dennoch haben Poker-Netzwerke auch mit diversen Problemen zu kämpfen. Hierbei möchte ich gar nicht die Probleme mit den Netzwerkregeln ansprechen, die einige Partner ständig nicht korrekt einhalten. So ist es schwierig manche Netzwerk Vergehen auf kurze Sicht zu erkennen und zu verhindern. Häufig folgt erst nach etlichen Monaten eine empirische Untersuchung mit klarem Ergebnis, was meist eine Verwarnung oder gar den Ausschluss aus dem Netzwerk zur Folge hat.

Das Hauptproblem ist das Netzwerk im Gleichgewicht zu halten. Stellen Sie sich vor man hätte einen Partner, der viele Fische (= schwache Poker-Spieler) als Kunden hat, während ein anderer Partner große Mannschaften an Winning Playern hat, die deutlich mehr aus- als einzahlen. Solange der eine Partner für genügend “Frischfleisch” oder besser gesagt “Frischfisch” sorgt, ist das Netzwerk im Gleichgewicht. Aber wenn dies aus irgendeinem Grund nicht der Fall ist, ziehen die Winning Player nur Geld aus dem Netzwerk und sind bald alleine, ohne Beute. Dass ein Trafficverlust die Folge ist, liegt auf der Hand.

Für Netzwerke ist es eigentlich am besten wenn möglichst viele Partner möglichst viele Fische in das Netzwerk pumpen. Dann folgen mehr Einzahlungen als Auszahlungen und das Geldvolumen wird insgesamt erhöht. Andererseits haben Fische auch nicht unendlich Einkommen zur Verfügung und geben es irgendwann auf sich beim Pokern zu versuchen. Das hat zur Folge, dass ein Fisch nur eine begrenzte Zeit pokern kann, während der Winning Player im Prinzip sein ganzes Leben lang spielen kann.

Wichtig ist, dass das Poker-Netzwerk im Gleichgewicht ist, also dass die gesamten Einzahlungen über den Auszahlungen bleiben (denn irgendwo muss sich der Rake auch bemerkbar machen). Dieses Problem ist aber eher ein Luxusproblem. Poker-Netzwerke bieten sowohl für Spieler als auch für Partner große Vorteile. Hauptaufgabe des Netzwerkes ist es sich die geeigneten Partner auszusuchen um es im Gleichgewicht zu halten.

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