Wann soll sich ein Affiliate diversifizieren?

Das Jahr 2011 ist ohne Zweifel ereignisreich, wenn nicht sogar das ereignisreichste Pokerjahr überhaupt. Nach dem Black Friday wurde PokerStars vom amerikanischen Markt verbannt und Full Tilt Poker und Absolute Poker stehen vor der Pleite. Spätestens dann, wenn der zweitgrößte Pokerraum innerhalb kürzester Zeit pleite gehen kann, wird es Zeit sich Gedanken zu machen. Nämlich darüber, wie man selbst als Affiliate aufgestellt ist und ob das eigene Geschäftsmodell zukunftsträchtig ist.

Denn der Aufschrei war wieder groß bei Affiliates, die sich bislang nur auf einen Markt (den amerikanischen) und in einer Nische (Poker) engagiert haben. Natürlich, sie verloren den Großteil ihrer monatlichen Einnahmen. Wer im April 100 Ersteinzahler zu Full Tilt gebracht hat, wird seine $ 15.000 nicht wieder sehen. Das schmerzt, das ist klar. Aber die Frage ist ob der Fehler nicht woanders liegt.

Das Affiliate Geschäft hat, wie jedes andere Geschäft auch, ein Risiko in sich. Wenn es kein Risiko gäbe, sähe auch der Profit nicht gut aus. Der Profit, den ein Affiliate, insbesondere ein Poker- und Casino Affiliate erzielen kann ist vergleichsweise hoch. Das ist aber nur durch ein hohes Risiko möglich. Das heißt, dass die jeweiligen Einkommensströme nicht als sicher anzusehen sind und zumindest schwanken. Jeder kann das nachvollziehen. Niemand kann von sich behaupten jeden Monat genau xx,xxx Euro als Affiliate zu verdienen. Selbst wenn man fixe Werbeflächen auf seinen Seiten verkauft, unterliegt dies einem Risiko. Das ist etwas, das man von Anfang an begreifen muss. Und wer es jetzt noch nicht verstanden hat, muss es spätestens jetzt einsehen:

Das Affiliate Geschäft ist mit Risiko verbunden, die Einnahmen unsicher!

Für alle neuen Affiliates mag das abschreckend klingen. Das soll es aber nicht sein. Dass Einnahmen unsicher sind heißt nicht, dass man als Affiliate übers Ohr gehauen wird. Das ist in den allermeisten Fällen nicht der Fall. Unsicher heißt, dass die Einnahmen schwanken. Mal mag man 5000 Euro/Monat bei einem Anbieter verdienen, mal 1500 und mal 0 wie im Falle von Full Tilt.

Die Aufgabe eines Affiliates liegt nun darin sich richtig zu diversifizieren. Zumindest wenn man nicht einfach auf das schnelle Geld aus ist, sondern langfristig konstante Einnahmen generieren möchte. Dann muss man sich fragen, wie man sich aufstellen soll um das zu gewährleisten. Und hier muss man auch mal über den Tellerrand hinaus blicken: es gibt nicht nur Gambling, es gibt nicht nur Poker und es gibt nicht nur Leute, die nach einem Poker Bonuscode suchen! Das schlechteste was man machen kann ist 100 % seiner Einnahmen aus einer Nische zu beziehen. Wer nur mit Rakeback arbeitet, geht ein hohes Risiko ein. Wer aber Rakeback anbietet und eine Seite mit Pokerregeln hat und dort neue Spieler auf CPA Basis bringt reduziert sein Risiko bereits enorm!

Es schadet nicht auf die Portfoliotheorie von Markowitz zurück zu greifen. Jeder, der sich schon mit Aktien beschäftigt hat, wird davon gehört haben. Die Quintessenz ist einfach die, dass man sein Portfolio so zusammen stellen soll, dass die einzelnen Bestandteile miteinander möglichst wenig korrelieren. Auf diese Weise reduziert man das Risiko seines Portfolios.

Auf uns Affiliates angewendet heißt das, dass man Einkommensströme braucht, die miteinander nichts zu tun haben. Ein kurzes Beispiel macht das sicherlich schnell deutlich: Mein Portfolio besteht aus einer Casinoseite mit Traffic aus den UK und einer Rakebackseite mit Traffic deutscher Spieler. Beides gehört dem Gambling Markt an. Trotzdem ist dieses Portfolio gut diversifiziert. Denn wenn es Probleme mit der Casinoseite oder dem Casino Partnerprogramm gibt, wird es nicht gleichzeitig Probleme mit der Rakebackseite geben. Macht der Pokermarkt in Deutschland dicht, kann man die Rakebackseite praktisch abschreiben, bezieht aber weiterhin Einkommen von der Casinoseite.

Hat man hingegen eine Full Tilt Poker – und eine PartyPoker Bonusseite dann ist die Korrelation sogar negativ in einem Fall dass z.B. einer der beiden Anbieter dicht macht oder unattraktiver wird. Wie man gesehen hat, suchen viele der ehemaligen Full Tilt Spieler ein neues Zuhause und PartyPoker ist ein solches.

Das ganze lässt sich natürlich noch weiter führen und kann wesentlich komplizierter aussehen. Es reicht an dieser Stelle jedoch erstmal wenn man das Prinzip dahinter verstanden hat. Nach welchen Überlegungen man also sein Portfolio an Webseiten zusammen stellen muss um sein Risiko zu minimieren.

Dabei darf man aber eines nicht außer Acht lassen: Für jede Diversifizierung, die man vornimmt, verzichtet man auch auf Synergien. Das heißt also, dass ich als Affiliate, der bisher nur mit Poker gearbeitet hat, viel Zeit und Energie darin investieren muss um auch mit Casinoseiten eine Chance zu haben. Es ist ja nicht damit getan Content zu erstellen, das wäre im Fall von Casino kein großes Thema. Es geht auch darum ein Seitennetzwerk aufzubauen, mit anderen Affiliates in Kontakt zu treten, Links aufzubauen usw. Das ist der Preis, den man bezahlen muss für ein geringeres Risiko und das muss man sich auf alle Fälle vergegenwärtigen.

Denn es gibt viele Affiliates, die in jeder Nische mitmischen möchten, aber keine richtig dominieren. Sie haben Seiten zum Thema Pokerbonus, Rakeback, Slots, Roulette, Blackjack, Forex, Golfschläger, Auto-Blogs und was sonst noch alles geht, schaffen es aber nicht in einer dieser Nischen die kritische Masse zu erzeugen. Denn mit einer einzigen Forex Seite kann man kaum etwas bewegen, noch dazu ist man als kleiner Affiliate in einer schlechten Verhandlungsposition und verfügt über schlechte Margen. Kein Pokerraum gibt einem Rakeback Affiliate einen besonders guten Deal wenn er 1 Spieler/Monat bringt. Gleiches gilt für 99 % der anderen Nischen.

Letzendlich geht es darum die richtige Mischung zu finden aus Diversifizierung und Konzentration auf die Kernkompetenzen. Jeder Diversifizierungsschritt kostet Synergien und ist mit Opportunitätskosten verbunden. Denn die Energie, die man in eine neue Nische investiert, kann man theoretisch auch in die bereits bestehende investieren. Deswegen spielen Überlegungen wie „in welcher Nische erziele ich das beste Verhältnis aus Einsatz/Einkommen (Effizienz)?“ eine wichtige Rolle. Es macht keinen Sinn sich in einer Nische zu engagieren wo man 10 Stunden/Woche arbeiten muss um 200 Euro/Monat zu verdienen nur weil man sich diversifizieren möchte. In einem solchen Fall ist es auch egal ob man sich auf Synergien beruft oder nicht, es ist einfach ineffizient.

2 Gedanken zu „Wann soll sich ein Affiliate diversifizieren?

  1. Super geschriebener Artikel, Inhalt und Schreibstil gefallen mir, und ist vom Thema her einer der interessantesten Artikel hier auf Pokeraffiliatebiz.com.
    Ich weiss nicht wie viele Poker Affiliates schon etwas von Markowitz gehört haben, aber der Vergleich gefällt mir. Ob jetzt die Korrelation zwischen zwei Pokerräumen wirklich negativ ist, sei mal dahingestellt. Im Beispiel von FTP und Party diesen Sommer sicher ja, langfristig wage ich das zu bezweifeln. Beispiel 1: Ein grosses Land verbietet alle online Pokerspiele. Die Korrelation zwischen 2 Pokerseiten ist +1. Beispiel 2: In fünf Jahren reduzieren sich die Spielerzahlen aufgrund von anderen Hobbies etc. um 90%. Die Korrelation zwischen 2 Pokerseiten ist wieder nahe bei +1.
    Und was ich noch anmerken möchte: Es gibt verschiedene Formen der Diversifikation. Eine davon ist die geographische Risikostreuung. So kann man in der gleichen Nische bleiben und muss nur die Sprache ändern. Hier wage ich aber keine Prognose, wie hoch die Korrelation ist 😉

  2. Top Artikel, danke dafür! Ich bin erst seit kurzem dabei online Casinos zu bewerben. Ich spiele auch selbst ab und zu gerne und kenne mich daher schon ein wenig mit der Materie aus. Ich sehe die Tätigkeit als Casino Affiliate bisher eher als zweites bzw. drittes Standbein. Mal sehen was daraus wird.

    Aber den Punkt den Du angesprochen hast, ist wirklich sehr wichtig für werdende Affiliates: Nie komplett auf einen Partner, eine Seite oder eine Rubrik setzen. Vor kurzem wurde mir plötzlich die Partnerschaft mit einem Partner aus der Rubrik Kredit gekündigt. Jetzt fehlen mir plötzlich im Schnitt 500€ / Monat. Hätte ich meine komplette Zeit in diesen Partner investiert, würde ich nun sehr alt aussehen. Und man sollte nicht, wenn man mal 3000€+ verdient hat, vorschnell seinen festen Arbeitsplatz schmeißen, wie ich das vor 3 Jahren getan habe … ich stand teilweise kurz vor der Obdachlosigkeit. Man kann die Einnahmen, gerade am Anfang, wirklich kaum einschätzen und immer schön sparen für schlechte Monate.

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